Leserbrief: Wer blockiert den Windkraftausbau?

Leserbrief zum Artikel „Das volle Spektrum“ in der SZ vom 05. Februar 2020

Die Kommunalwahl in Bayern rückt näher und bei der CSU liegen – wohl zum ersten Mal seit vielen Ratsperioden – offenbar die Nerven blank. Man hat die Zeichen der Zeiten erkannt, will zwar gegen die drohende Klimakatastrophe nichts tun, aber doch gerne die Stimmen auch der vielen Bürger*innen bekommen, die sich ernsthaft um unsere Zukunft auf diesem Planeten sorgen. Schon die Wahlplakate der CSU sind ergrünt wie nie zuvor, zugleich beschränkt sich der OB-Kandidat der CSU in der Kreisstadt Dachau auf ein Rechts-Links-Weltbild, das dem Wähler verrät, dass Inhalte nicht so wichtig sind für die CSU. Früher war die CSU immerhin so ehrlich zu sagen, dass es rechts neben ihr nichts mehr gibt, heute erklärt sie sich zur Mitte. In Zeiten „alternativer Fakten“ meint man sich eben anpassen zu sollen und man fühlt sich wohl berechtigt, die Wirklichkeit dem eigenen Wunschdenken anzupassen.

So versuchte es Landrat Löwl beim Bauernverband. Es kann ja nicht sein, dass es an seiner Partei oder seiner Klientel liegt, wenn es im Landkreis mit dem Ausbau der Windenergie nicht recht vorangehen will. Daran müssen „die anderen“ Schuld sein. Es ist nur so:  Keiner der inzwischen acht Grünen Ortsverbände im Landkreis Dachau hat je irgendetwas gegen den Bau eines Windrades unternommen oder auch nur gesagt. Und in ganz Bayern, ja in der gesamten Bundesrepublik setzen sich Grüne auf allen Ebenen für den Ausbau der Windkraft ein. Wir wissen, dass Windräder, wenn man sie nicht dorthin baut, wo große Vogelzüge zu erwarten sind, weniger Vögeln zum Verhängnis werden als Hauskatzen oder Fensterscheiben und dass sie für die Energiewende unerlässlich sind.

Wenn Windräder schwer zu realisieren sind im Freistaat Bayern, dann liegt das an der 10-h-Regelung, die Horst Seehofer (CSU) in seiner Zeit als bayrischer Ministerpräsident eingeführt hat. Danach muss ein Windrad von jeder Wohnbebauung so  weit entfernt sein, wie es der zehnfachen Höhe des Windrades entspricht. Damit macht man diese Art der Energieerzeugung fast unmöglich in Bayern.

Das weiß vermutlich auch Landrat Löwl. Ebenso wird ihm bewusst sein, dass im Landkreis Dachau die Einwände gegen Windräder beileibe nicht aus Grünen Ortsverbänden kamen. Ich hoffe, er hat sich bei dem „tosenden Applaus“ im Saal daran erinnert, dass der Widerstand gegen das zuletzt verhinderte Windrad im Sigmertshauser Holz maßgeblich von einem Mitglied von CSU und Bauernverband organisiert wurde. Ich hoffe, es ist dem erklärten Christen Löwl bei seinem Verstoß gegen das achte Gebot immerhin ordentlich unwohl. Ich hoffe, unser amtierender Landrat schämt sich doch  ein bisschen für die in Rumeltshausen vorgeführte Schäbigkeit, die eines Landrates so unwürdig ist.

Jutta Krispenz, Sprecherin im Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Dachau

 

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