10 Jahre Fukushima: Für eine erneuerbare Zukunft

Im März 2011 wurde die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung durch die Kernschmelzen in Fukushima zu Vernunft und Einsicht gezwungen. Zur Einsicht, dass nur ein Unfall in einer Atomanlage zu einer großen Katastrophe führen kann. Das hatten eigentlich schon die Nuklearkatastrophen in Harrisburg und Tschernobyl gezeigt. Leider kam die Bundesregierung erst nach Fukushima zur Vernunft und kehrte zum Atomausstieg zurück. Man muss regelmäßig hoffen, dass sie das Gelernte nicht wieder vergisst.

Im Bundestag haben wir GRÜNE daher letzte Woche gefordert, zehn Jahre nach dem GAU von Fukushima den Atomausstieg endlich zu vervollständigen und zugleich einer Renaissance der Atomkraft in Europa entgegenzutreten (https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/271/1927193.pdf). Was im Bund und in Europa gilt, gilt auch regional: auch Stadt und Landkreis Dachau müssen voll auf die Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien setzen. Das gebietet schlicht die Vernunft, und zwar sowohl in gesellschaftlicher und ökologischer als auch ökonomischer Perspektive. Denn klar ist: Atomstrom rentiert sich nur für die AKW-Betreiber, nicht für Staat und Bürger*innen. Atomstrom ist heute schon doppelt so teuer wie Strom aus Photovoltaik – und da sind all die Folgekosten, die der Allgemeinheit aufgebürdet werden noch gar nicht enthalten: die Kosten der Endlagerung des Atommülls etwa. Der allein in Deutschland aus diesem energiepolitischen Irrweg entstandene Atommüll wird noch Hunderttausend Jahre strahlen. Was für eine Hinterlassenschaft an kommende Generationen!

Unser Dank heute gilt daher den hunderttausenden Menschen, die seit Jahrzehnten im Protest gegen Atomkraft auf die Straßen gegangen sind. Unser Dank gilt auch den Menschen, die an den erneuerbaren Energien arbeiten und dort längst bewiesen haben, dass es nicht nur ohne Atomkraft geht, sondern ohne Atomkraft besser geht. Es ist die Energie dieser Menschen, die die Energiewende gegen alle Widerstände vollbringt.

Unterstützer der Großplakat-Aktion von „ausgestrahlt“ zum Fukushima-Jahrestag in der Frühlingstraße in Dachau (v.l.n.r.): Dr. Martin Modlinger (Grüne), Peter Heller (Bund Naturschutz), Dr. Roderich Zauscher (Bund Naturschutz, Grüne), Dagmar Hamberger (ÖDP), Mike Berwanger (Bündnis für Dachau), Adrian Heim (ÖDP), Wolfgang Klade (People for Future)

Leider drängt sich daher eine weitere Parallele auf: so wie über Jahrzehnte hinweg die Gefahren der Atomkraft verharmlost wurden und erst mehrere SuperGAUs einen relevanten Teil der Politik zum Einlenken bewegen konnten, so ist es jetzt die Klimakrise, der nicht angemessen begegnet wird. Wieder gehen Hunderttausende auf die Straßen um die Politik aufzufordern, endlich die wissenschaftlichen Fakten zur Klimakrise ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Diesmal können wir nicht bis zur Katastrophe warten, diesmal müssen Einsicht und Vernunft vorangehen.

Verfasst von Dr. Martin Modlinger, Grüne Stadt Dachau

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