Antrag „Nachhaltiges Bauen und Betreiben der Landkreis Liegenschaften“

Als Kernelement seiner Nachhaltigkeits-Strategie errichtet und betreibt der Landkreis zukünftig alle seine

Bildungsbauten, Büro- und Verwaltungsgebäude, Gesundheitsbauten, Logistikgebäude, Parkhäuser, Sporthallen oder Wohngebäude

und vergleichbare Gebäude seiner mehrheitlichen Beteiligungen

mit einer Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mindesten nach GOLD Standard

Die Aufnahme der Betriebs-Zertifizierung von Neubauten erfolgt mit der Erst-Inbetriebnahme, die der Bestandsbauten schrittweise bis spätestens bis 2030

Niedrigere Zertifizierungsstufen oder Entfall der Zertifizierung können in begründeten Ausnahmen (z.B. indiskutable Kosten-Nutzen-Relation) von den Kreisgremien beschlossen werden.

Begründung

National wie international stellt das Thema Nachhaltigkeit eines der wichtigsten Leitbilder für die Zukunft dar. Nachhaltiges Handeln bedeutet, ökologische, ökonomische und soziale Gesichtspunkte gleichberechtigt zu berücksichtigen, um nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt und gleiche Lebenschancen hinterlassen zu können.

Die Kreisgremien haben daher in 2019/2020 beschlossen, dass bei allen zu planenden Projekten künftig Nachhaltigkeitsstandards zur Anwendung kommen sollen.

„Speziell das Bauwesen muss sich aufgrund der in Anspruch genommenen materiellen und monetären Ressourcen sowie der entstehenden Umweltwirkungen intensiv dem Thema annehmen. Für den Gebäudesektor wird dies angesichts des Klimawandels und der knapper werdenden Ressourcen immer wichtiger… Ziel unseres Handelns sollten deshalb möglichst nachhaltige Gebäude sein, die damit auch energiesparende und ressourcenschonende Qualitäten aufweisen. Die umfängliche Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten im Lebenszyklus eines Gebäudes, das heißt bei der Planung, Errichtung, Nutzung und Modernisierung sowie dem Rückbau, sollte aktiv gestaltet und beeinflusst werden… “

(Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, BMI)

Um nachhaltiges Bauen und Betreiben planbar, bewertbar und messbar zu machen, bedarf es eines Zertifizierungssystems, das alle Akteure bei der Umsetzung einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie unterstützt und diese sicherstellt.

Vergleichbar zum Bewertungssystem für Nachhaltiges Bauen (BNB) des BMI hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ein Zertifizierungssystem entwickelt, das Nachhaltiges Bauen über den gesamten Lebenszyklus messbar macht – Phasen orientiert (Neubau, Betrieb, Rückbau) und Gebäudetyp spezifisch.

Die DGNB ist mit rund 1.200 Mitglieder Europas größtes Netzwerk und führende Wissensplattform für nachhaltiges Bauen und har bereits viel Erfahrung mit seinem Zertifizierungssystem. So ist z.B. auch Fritsch+ Tschaidse – Sieger des Architekturwettbewerbes für das Karlsfelder Gymnasium – seit kurzem Mitglied der DGNB. DGNB und BMI kooperieren mit dem Ziel der Vereinheitlichung ihrer Zertifizierungssysteme.

Auch bei der Internationalen Bauausstellung IBA’27 in Stuttgart steht Nachhaltiges Bauen und die Kooperation mit der DGNB im Zentrum. Die IBA’27 unterstreicht dabei in 10 Thesen zur IBA’27 die Bedeutung Nachhaltigen Bauens:

„ Die nächste Generation muss den Wandel in ein postfossiles Zeitalter vollziehen, um globale Ressourcenkämpfe zu verhindern und den Klimawandel zu begrenzen. Die Bauwirtschaft und der Betrieb von Gebäuden sind heute die größte Abfallquelle und die größten CO2-Emittenten. … Häuser sind zu teuer, um billig gebaut zu werden. Unsere Bautechniken erlauben uns, Strukturen zu schaffen, die mehrere Hundert Jahre überdauern. Eine konsequente Orientierung an den Lebenszykluskosten relativiert den Erstellungspreis und lässt uns nach dauerhaften, leicht reparier- und anpassbaren Bauweisen suchen. Diese schließen auch die Anpassbarkeit an verschiedene Nutzungen ein…“

Durch eine Zertifizierung entstehen jeweils initiale Mehrkosten, die aber wegen der inhärenten Ressourcen-Schonung und bei Lebenszyklen von mindestens 50-80 Jahren zu niedrigeren Gesamt-Lebenszykluskosten führen werden.

Insbesondere ist auch davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren strenge Nachhaltigkeits-Standards verpflichtend werden und so zu höheren Nachinvestitionen führen können. So wird z.B. mit einer erfolgreichen Zertifizierung sichergestellt, dass die definierten Anforderungen der ab Sommer 2021 geltenden Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BMWi) erfüllt werden.

Unter dem allgegenwärtigen Kostendruck der Corona-Pandemie braucht es gerades jetzt ein klares, zukunftsorientiertes Bekenntnis zum Nachhaltigen Bauen im Landkreis, da bei den Planungen zum 4. Gymnasium in Karlsfeld, zum Neubaus des Landratsamtes und zum 5. Gymnasium in Röhrmoos Entscheidungen getroffen werden, deren Konsequenzen weit in die klima-kritische Zukunft unserer nachfolgenden Generationen reichen!

Gez Marese Hoffmann, Achim Liebl

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